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| Katalog Henry Pels & Co 1900 | Stahlscheren - Henry Pels - Berlin SO 16 - Köpenicker Straße 55 |
Henry Pels Henry Pels (* 6. Juni 1865 in Hamburg; † 1. April 1931 in Berlin) war ein deutscher Unternehmer.
Er wuchs in Hamburg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns auf. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Altona erhielt er eine kaufmännische Ausbildung in der Fa. Louis Freund in Hamburg.
1885 trat er in die „Berliner Maschinenfabrik Arthur Koppel" ein, erhielt bereits nach zwei Monaten Prokura und wurde mit einer Reise nach Nord- und Südamerika beauftragt, um dort Filialen zu gründen.
1892 kehrte er nach Hamburg zurück und gründete die Firma „Henry Pels & Co." für den Handel mit Werkzeugmaschinen, die er 1894 nach Berlin verlegte.
1902 gründete er mit der „Maschinenfabrik J. A. John" in Erfurt, für die er vorher schon als Alleinvertreter tätig gewesen war, die „Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels & Co" mit dem Hauptsitz in Berlin-Borsigwalde.
Die Fabrik stellte Blechbearbeitungsmaschinen für die spanlose Umformung von gewalzten Stahlblechen her, die insbesondere von der Elektroindustrie nachgefragt wurden. Pels wurde damit zum Vorreiter der deutschen Umformtechnik und begründete einen neuen Industriezweig.
Bis zum Ersten Weltkrieg produzierte die Fabrik im 1911 eingemeindeten Industrievorort Ilversgehofen im Erfurter Norden Scheren, Lochstanzen und kombinierte Maschinen und entwickelte sich an seinem Standort schnell zum großen Umformtechnikmaschinen-Hersteller.
Es verfügte über Dutzende von Patenten über Stahlniet-Konstruktionen und die Stahlplattenbauweise ihrer Umformmaschinen über eine großen Wettbewerbsvorteil. Das Vertriebsnetz verfügte über Filialen in Paris, Brüssel, Mailand, London, New York und Stockholm.
15 europäische Länder sowie Afrika, Amerika, Australien und Asien wurden beliefert. Über 90 Prozent der Produkte gingen in den Export.
Im 1. Weltkrieg lieferte er Lastwagen nach der Konstruktion von Joseph Vollmer.
Nach dem Krieg wandelte Pels 1922 das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft, die „Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels & Co. AG" um, mit ihm als Alleinvorstand. Als neuer Großkunde kam 1924 die Automobilindustrie hinzu.
Nach den John'schen Scheren, Biege- und Lochma|schinen begann er den Bau von 500 t-Exzenterpressen zum Stanzen, Schneiden und Abgraten. Er ließ in den Folgejahren große Erweiterungsbauten errichten. Parallel dazu wuchs die Belegschaft.
1929 baute er für die Automobilindustrie eine Block- und Knüppelschere mit so sauberen Schnitten, dass die Abschnitte auch für Gesenkschmiedestücke oder Preßteile verwendet werden konnten.
Seine lang anhaltende Stabilität verdankte das Unternehmen zudem Großaufträgen aus der jungen Sowjetunion, die schnell zu einem modernen Industriestaat entwickelt werden sollte. Pels wurde Vorsitzender einer deutsch-russischen Gesellschaft der Maschinenbauindustrie. Darüber hinaus war er Vorsitzender mehrerer Fachverbände.
Henry Pels starb am 1. April 1931 in Berlin, seine Frau kurz nach ihm.
Das Schicksal seiner Nachfahren
Sein einziger Sohn war als deutscher Offizier im Ersten Weltkrieg gefallen. Alleinerbin wurde seine Tochter. Sie hatte den jüdischen Berliner Arzt Fritz Heine geheiratet, der ebenfalls Weltkriegsteilnehmer war. Er vertrat seine Frau, die bis 1936 Mehrheitseingetümerin war, im Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft.
Während der Zeit des Nationalsozialismus erwog das Ehepaar Heine die Emigration, aber fühlten sich wie viele in ihrer Lage als Deutsche und vertrauten darauf, dass der nationalsozialistische Spuk bald vorübergehen werde. Ihr Sohn wanderte jedoch aus, und ihre Tochter konnte mit Hilfe des Berliner Pfarrers Gruber nach England verbracht werden. Nach der Wannseekonferenz wurden die Eltern mit dem zweiten Berliner Judentransport vom Bahnhof Grunewald aus zunächst nach ?ódz' verschleppt und offenbar danach ermordet. Da sie auf diese Weise das Reichsgebiet verlassen hatten, wurde die Reichsfluchtsteuer erhoben und das noch verbliebenen Vermögen eingezogen.
Auszeichnungen
1921 Ernennung zum Dr.-Ing. als Ehrendoktor der Technischen Hochschule Fridericiana zu Karlsruhe.
Literatur
Hans-Dieter Nahme: Ein Deutscher im zwanzigsten Jahrhundert, Hinstorff Verlag, Rostock 2007. ISBN 3356012053
Henry Pels & Co. (Hg.): Teilkatalog über Blechscheren, Lochstanzen und Eisenschneidern, Berlin, 1921.