Die Köpenicker Straße Nr. 40 /41
in Berlin Mitte



Homepage: www.berlin-eisfabrik.de

+++ Dieses Seite befindet sich im Aufbau +++ +++


damals...


Das Grundstück befindet sich am alten Berliner Holzmarkt.
Die Brüder Eger betrieben auch auf diesem Grundstück ein Sägewerk und einen Holzhandel.

Holzhandlung C.W. Eger Köpenicker Straße 40/41
Paketkarte Holzhandlung C.W. Eger, 1890, Köpenicker Straße 40/41


Das Holz wurde über die Spree geflösst.
Deshalb war das gesamte Grundstück bis zur Zerstörung des Denkmalensembles 2010 unterkellert.

Ein Bild von 1902 (Stadtmuseum Berlin) belegt, das selbst nach dem Carl Bolle das Grundstück 1893 erwarb und 1896 hier Berlins erstes Großkühlhaus errichtet wurde, der Holzhandel und die Schneidmühle (Sägemühle) weiter betrieben wurden.

Eine Bauzeichnung gibt Commerzienrath Paul Eger als ehemaligen Grundstückseigentümer der Köpenicker Straße 40/41 an.

Die Brüder Carl und Paul Eger hatten auch das Grundstück Tempelhofer Ufer 11 für 300 000 Goldmark erworben, wo sie ebenfalls eine Holzhandlung betrieben und 1881 ein zweistöckiges Wohnhaus unter Leitung von den Architekten Wex und Gustav Knoblauch (1833–1916) errichten liessen.

ab 1893 - Norddeutsche Eiswerke - Kühlhhaus und Eisfabrik

Werbeposter Maschinenanlage 1914
Werbeposter Eisfabrik Maschinenanlage 1914

Das Luisenstädtische Heimatbuch von 1927 berichtet:

Norddeutsche Eiswerke, Aktiengesellschaft, Köpenicker Str. 40/41

Die Gesellschaft wurde 1872 gegründet und errrichtete nach amerikanischen Muster zunächst in Köpenick, Rummelsburg und Plötzensee große Holzschuppen zur Aufbewahrung von Natureis, welches in den dortigen Seen bzw. Flüssen gewonnen wurde.

Anfangs entwickelte sich das Geschäft nur langsam und bewegte sich in bescheidenen Grenzen.

Ende der siebziger Jahre wurden, da die in den eisarmen Wintern gewonnenen Natureismassen nicht ausreichten, kleine Eisfabriken an den genannten Stellen angelegt.

Im Jahre 1896 entstand auf dem Grundstücke Köpenicker Str. 40/41 das erste Kühlhaus für Konservierung von Lebensmitteln durch Kälte. (!!!)

Kühlhaus Norddeutsche Eiswerke
Die denkmalgeschützten Kühlhäuser der Norddeutschen Eiswerke, 2010 trotz Protesten durch die TLG Immobilien GmbH abgerissen

In den Jahren 1913/14 folgte dann eine der moderneren Kältetechnik entsprechende Kunsteisfabrik. Später wurde das Kühlhaus erweitert und modern eingerichtet.

Die Kühlhäuser haben einen vermietbaren Flächenraum von rund 7000 Quadratmeter (1.)
In der Eisfabrik können täglich 7000 Zentner Kunsteis hergestellt werden.
In den Betriebe werden 80 – 100 Arbeiter beschäftigt.

1) Das aus Amerika kommende Gefrierfleisch wird ab Hamburg auf dem Wasserwege mittels hierzu besonders eingerichteter Kühlleichter nach hier gebracht und eingelagert.





Steindruckerei Köpenicker Straße 41
Steindruckerei in der Köpenicker Straße 40/41 - 1923;
Schreibweise mit "C";
Depositenkasse - Darmstädter und Nationalbank in der Köpenicker Straße 110
Deutsche Bank Filiale Köpenicker Str. 40/41
Deutsche Bank Filiale in der Köpenicker Straße 40/41 (SO)


Bolles Eisfabrik


Die Luisenstadt – Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil
Edition Luisenstadt, Berlin 1995, ISBN 3-89542-023-9

von
Willi Schmelich


Als Carl Bolle in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (1860) am Landwehrkanal., Lützowufer 31, die erste Eisfabrik Berlins gründete, ahnte er sicher nicht, daß Stangeneis für Kühlzwecke noch bis 1991 in einer seiner späteren Fabriken produziert werden würde.

Unter der Bezeichnung „Norddeutsche Eiswerke“ baute er einige Jahre später eine neue Eisfabrik (Natureis - die Initiative) in Rummelsburg.
1872 wurden die "Norddeutschen Eiswerke" in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Weil der Bedarf an Eis für Kühlzwecke ständig stieg, kaufte Bolle 1893 ein größeres Grundstück in der Luisenstadt, Köpenicker Str. 40/41, direkt am Spreeufer.

1896 entstanden hier ein Kühlhaus, eine kleine Eisfabrik und das dazugehörige Maschinen- und Kesselhaus sowie Pferdeställe und Nebengebäude.

Auf dem vorderen Grundstück wurde ein Kontor– und Wohngebäude gebaut.

In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen ständig erweitert, modernisiert und umgebaut. Infolge der technichen Entwicklung der Maschinen, wie Dampferzeugungsanlage, Kompressoren, Eisbildner- und Förderanlagen, konnten die Produktion von Kunsteis und die Lagerkapazität in den Kühlhäusern erhöht werden.

Noch heute stehen einige Gebäude aus der Gründerzeit, die selbst die verherrenden Kriegsfolgen in der Luisenstadt überstanden. So die ältesten Gebäude, das Kühlhaus Nr. 2,3, 4 und 5 aus dem Jahre 1896, das Kessel-und Maschinenhaus sowie die neue Eisfabrik und der Wasserturm aus dem Jahre 1913.
Ebenfalls von den Kriegsfolgen verschont blieben das ehemalige Fabrikgebäude und heutige Kühlhaus Nr.8 und 9 aus dem Jahre 1921.

Der gesamte Kühlhausbetrieb und die Eisproduktion wurden mit eigenem Tiefbrunnen, Dampf- und Gleichstromerzeugern, Sole-und Luftkühlern und Eisgeneratoren aufrecht erhalten.

Nach 1945 wurde der Betrieb unter Sequester gestellt und bis 1948 vom Verband Berliner Konsumgenossenschaft treuhänderisch verwaltet.
Um 1949/50 war die "Norddeutsche Eiswerke AG" Pachtbetrieb des Konsum, und 1951 wurde der Konsum neuer Rechtsträger.
Am 01.01.1952 wurde der Betrieb "volkseigen" und hieß VEB Kühlhaus Süd-Ost. Heute ist er Teil der Berliner Kühlhaus GmbH.

Auf dem 10000 qm (17 000 qm - die Initiative) großen Betriebsgrundstück wurden, neben dem Kühlhausbetrieb mit einer Kaltlagerfläche von 8500 qm, bis 1951 etwa 240 t Stangeneis, ab 1952 etwa 120 t Stangeneis und 1971 noch etwa 60 t jährlich ( hier irrt der Autor, die Zahlen sind Monatsproduktionen ! Ein Becken fasste alleine 30 Tonnen Eis - Die Initiative) produziert.
Mit zunehmenden Aufkommen moderner Kühltechnik ging der Bedarf an Stangeneis rapide zurück, aber erst ab Oktober 1991 wurd die Produktion eingestellt.

Der Kühlhausbetrieb wird heute noch wie einst mit der alten Technik aufrecht erhalten.

Die Kraftstation, bestehend aus Kessel-und Maschinenhaus, liefert die Energie für alle Aggregate, Kompressoren, Solekühler, Luftkühler und Pumpen sowie die Wärmeversorgung der Nebengebäude.

Das Kesselhaus ist in seinem Urzustand erhalten.
Es besitzt einen Schornstein aus Ziegelmauerwerk mit einer Höhe von ca. 50m und einer oberen lichten Weite von 1,50 m.

Geheizt werden die zwei großen Dampfkessel heute noch mit Braunkohle.

Die voll unterkellerten Kühlhäuser sind sechsgeschossige Ziegelbauten mit einem flachen Pultdach.

Alle Decken sind aus Stahlbeton, die Wände mit Korksteinisolierung versehen, um die Kälte in den Räumen zu halten. Über Luftkanäle aus Holz werden die Kühlräume mit Kaltluft bis zu minus 12 bis 15 Grad ver- und entsorgt.

Der vertikale Transport von Gütern wird in den Kühlhäusern von alten Lastenaufzügen aus den Jahren 1924-38 und 1924-48 an den Aussenfassaden bewerkstelligt.

Das Einlagern von Lebensmitteln in dieser alten Einrichtung ist heute natürlich nicht mehr rentabel. Damit geht wieder ein Stück der alten Industriegeschichte in der Luisenstadt verloren.


Herr Schmelich konnte die Geschichte noch an Hand des Firmenarchivs und von den historischen Bauzeichnungen nachvollziehen.

Leider gelten diese Dokumente ja seit dem Ende des Kühlhausbetriebes als verschollen.

Die Änderungen der Massezahlen beruht auf Aussagen von Zeitzeugen. Herr Schmelich hat den Betrieb der Eisfabrik und der Kühlhäuser in seiner Dokumentation "Das Kühlhaus in der Luisenstadt" per Video festgehalten.



heute :



Die Eisfabrik und das Kühlhaus wurden noch bis 1995 genutzt.
Die Eisfabrik (2500m²) auf dem 17000m² großen Grundstück an der Spree wurde verkauft womit der Erhalt gesichert scheint.
Der Rest des Denkmalsensembles ist offensichtlich vom Abriss bedroht.
Das Gelände gehört der Nachfolgerin der Treuhandanstalt - der bundeseigenen TLG Immobilien GmbH.

Ein Teil des Mietshauses an der Köpenicker Straße wurde im Krieg zerstört, die restlichen Wohngebäude waren immer bewohnt.
1995 kommt es zu einem Brand in dem zum Kühlhaus umgebauten Fabrikgebäude (im Text mit Haus 8 und 9 bezeichnet), indessen Folge die Mieter des rechten Seitenflügels ausziehen müssen.
Das Gebäude steht seit 15 Jahren leer, Dächer werden nicht instandgesetzt, Sträucher wachsen in dem denkmalgeschützten leerstehenden Wohngebäude.

In einer Veröffnetlichung zur Vermarktung des Grundstücks taucht 2010 der Seitenflügel als Neubau auf, obwohl es keine Abrissgenehmigung für das Gebäude gibt.

Trotz Protesten von örtlichen Initiativen und Verbänden, der Fraktion der Grünen von Berlin-Kreuzberg/Friedrichshain und Berlin-Mitte, der Vorsitzenden des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten im Berliner Abgeordnetrenhauses, Alice Stöver, aber auch bundesweit aggierender Verbände wie der Bundesstiftung Baukultur, dem Verband Deutscher Architekten, aber auch von Bundestagsabgeordneten von SPD und CDU, der Bundestagsfraktion der Grünen sowie dem stellvertretenden Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse beginnt die TLG Immobilien GmbH im Mai 2010 mit dem Abriss der denkmalgeschützten bis Dato ältesten Kühlhäuser Europas, den ersten Kühlhäusern Berlins und damit mit der Zerstörung des Denkmalensembles

E-Mail

eisfabrik@berlin-eisfabrik.de