damals...


Norddeutsche Eiswerke, Aktiengesellschaft, Köpenicker Str. 40/41
Die Gesellschaft wurde 1872 gegründet und errrichtete nach amerikanischen Muster zunächst in Köpenick, Rummelsburg und Plötzensee große Holzschuppen zur Aufbewahrung von Natureis, welches in den dortigen Seen bzw. Flüssen gewonnen wurde.
Anfangs entwickelte sich das Geschäft nur langsam und bewegte sich in bescheidenen Grenzen.
Ende der siebziger Jahre wurden, da die in den eisarmen Wintern gewonnenen Natureismassen nicht ausreichten, kleine Eisfabriken an den genannten Stellen angelegt.
Im Jahre 1896 entstand auf dem Grundstücke Köpenicker Str. 40/41 das erste Kühlhaus für Konservierung von Lebensmitteln durch Kälte. (!!!)
In den Jahren 1913/14 folgte dann eine der moderneren Kältetechnik entsprechende Kunsteisfabrik. Später wurde das Kühlhaus erweitert und modern eingerichtet.
Die Kühlhäuser haben einen vermietbaren Flächenraum von rund 7000 Quadratmeter (1.)
In der Eisfabrik können täglich 7000 Zentner Kunsteis hergestellt werden.
In den Betriebe werden 80 – 100 Arbeiter beschäftigt.
1) Das aus Amerika kommende Gefrierfleisch wird ab Hamburg auf dem Wasserwege mittels hierzu besonders eingerichteter Kühlleichter nach hier gebracht und eingelagert.

Als Carl Bolle in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (1860) am Landwehrkanal., Lützowufer 31, die erste Eisfabrik Berlins gründete, ahnte er sicher nicht, daß Stangeneis für Kühlzwecke noch bis 1991 in einer seiner späteren Fabriken produziert werden würde.
Unter der Bezeichnung „Norddeutsche Eiswerke“ baute er einige Jahre später eine neue Eisfabrik (Natureis - die Initiative) in Rummelsburg.
1872 wurden die "Norddeutschen Eiswerke" in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Weil der Bedarf an Eis für Kühlzwecke ständig stieg, kaufte Bolle 1893 ein größeres Grundstück in der Luisenstadt, Köpenicker Str. 40/41, direkt am Spreeufer.
1896 entstanden hier ein Kühlhaus, eine kleine Eisfabrik und das dazugehörige Maschinen- und Kesselhaus sowie Pferdeställe und Nebengebäude.
Auf dem vorderen Grundstück wurde ein Kontor– und Wohngebäude gebaut.
In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen ständig erweitert, modernisiert und umgebaut. Infolge der technichen Entwicklung der Maschinen, wie Dampferzeugungsanlage, Kompressoren, Eisbildner- und Förderanlagen, konnten die Produktion von Kunsteis und die Lagerkapazität in den Kühlhäusern erhöht werden.
Noch heute stehen einige Gebäude aus der Gründerzeit, die selbst die verherrenden Kriegsfolgen in der Luisenstadt überstanden. So die ältesten Gebäude, das Kühlhaus Nr. 2,3, 4 und 5 aus dem Jahre 1896, das Kessel-und Maschinenhaus sowie die neue Eisfabrik und der Wasserturm aus dem Jahre 1913.
Ebenfalls von den Kriegsfolgen verschont blieben das ehemalige Fabrikgebäude und heutige Kühlhaus Nr.8 und 9 aus dem Jahre 1921.
Der gesamte Kühlhausbetrieb und die Eisproduktion wurden mit eigenem Tiefbrunnen, Dampf- und Gleichstromerzeugern, Sole-und Luftkühlern und Eisgeneratoren aufrecht erhalten.
Nach 1945 wurde der Betrieb unter Sequester gestellt und bis 1948 vom Verband Berliner Konsumgenossenschaft treuhänderisch verwaltet.
Um 1949/50 war die "Norddeutsche Eiswerke AG" Pachtbetrieb des Konsum, und 1951 wurde der Konsum neuer Rechtsträger.
Am 01.01.1952 wurde der Betrieb "volkseigen" und hieß VEB Kühlhaus Süd-Ost. Heute ist er Teil der Berliner Kühlhaus GmbH.
Auf dem 10000 qm (17 000 qm - die Initiative) großen Betriebsgrundstück wurden, neben dem Kühlhausbetrieb mit einer Kaltlagerfläche von 8500 qm, bis 1951 etwa 240 t Stangeneis, ab 1952 etwa 120 t Stangeneis und 1971 noch etwa 60 t jährlich ( hier irrt der Autor, die Zahlen sind Monatsproduktionen ! Ein Becken fasste alleine 30 Tonnen Eis - Die Initiative) produziert.
Mit zunehmenden Aufkommen moderner Kühltechnik ging der Bedarf an Stangeneis rapide zurück, aber erst ab Oktober 1991 wurd die Produktion eingestellt.
Der Kühlhausbetrieb wird heute noch wie einst mit der alten Technik aufrecht erhalten.
Die Kraftstation, bestehend aus Kessel-und Maschinenhaus, liefert die Energie für alle Aggregate, Kompressoren, Solekühler, Luftkühler und Pumpen sowie die Wärmeversorgung der Nebengebäude.
Das Kesselhaus ist in seinem Urzustand erhalten.
Es besitzt einen Schornstein aus Ziegelmauerwerk mit einer Höhe von ca. 50m und einer oberen lichten Weite von 1,50 m.
Geheizt werden die zwei großen Dampfkessel heute noch mit Braunkohle.
Die voll unterkellerten Kühlhäuser sind sechsgeschossige Ziegelbauten mit einem flachen Pultdach.
Alle Decken sind aus Stahlbeton, die Wände mit Korksteinisolierung versehen, um die Kälte in den Räumen zu halten. Über Luftkanäle aus Holz werden die Kühlräume mit Kaltluft bis zu minus 12 bis 15 Grad ver- und entsorgt.
Der vertikale Transport von Gütern wird in den Kühlhäusern von alten Lastenaufzügen aus den Jahren 1924-38 und 1924-48 an den Aussenfassaden bewerkstelligt.
Das Einlagern von Lebensmitteln in dieser alten Einrichtung ist heute natürlich nicht mehr rentabel. Damit geht wieder ein Stück der alten Industriegeschichte in der Luisenstadt verloren.
heute :