Die Luisenstadt ist der größte Stadtteil, der südlich von Neukölln und dem Köpenicker Viertel liegt, im Westen bis an die Lindenstraße reicht und im Süden und Osten von den Landwehrkanal begrenzt wird.
Der Stadtteil war ursprünglich größtenteils ein Sumpf und lag so tief, daß er in jedem Jahre überschwemmt wurde. Es waren große Erdaufschüttungen notwendig, um einen tragfähigen Boden zu erhalten.
Nach dem Dreißigjährigen Kriege befanden sich in diesem Stadtteil außer Gärten in der Köpenicker Straße der Köllnische Holzmarkt, in der Schäfergasse eine Schäferei, in der Dresdner Straße einige Gartenhäuser und in der Alten Jacobstraße einige Wohnhäuser mit Viehhaltungen. Als 1658 ein Teil der nördlichen gelegenen Gärten zum Festungsbau einbezogen wurden, gewann die Gegend ein anderes Aussehen. Es wurden auf ehemaligem Acker neue Gärten angelegt, und es entstanden Gartenhäuser und Wohngebäude.
Ein Teil dieses zu Kölln gehörenden Bezirkes war das früher sogenannte Köpenicker Feld, das sich vom Schlesischen Tor her am Kottbusser Tor vorbei nach dem Halleschem Tor hinzog. Diesen Toren entlang führte später die Stadtmauer, so daß das Feld innerhalb der Mauer lag. Es war ein weites Ackerfeld, dessen hochstehendes Grundwasser die Bebauung fast unmöglich machte.
Im 17. Jahrhundert erfolgte die Einwanderung der französischen Kalvinisten, von denen sich viele auf dem Köpenicker Felde besonders als Gärtner ansiedelten, wodurch die Zahl der Wohnhäuser sich beträchtlich vermehrte. Unter Friedrich I. Bauten sich auf dem Köpenicker Felde fast nur Viehmäster und Gärtner an, die in der Friedrichstadt keine passenden Baustellen finden konnten und deren Ansiedlung dort auch nicht gewünscht wurde. In der Zeit der folgenden Könige entstand eine merkliche Erweiterung des Stadtteils in allen Richtungen, besonders aber in den an die Friedrichstadt grenzenden Straßen.
Da um 1800 die eigentliche Stadt mit der Alten Jacobstraße zu Ende war, so reichten nur einige Straßen mit wenigen schlecht gebauten Häusern auf das Feld hinaus, so z.B. die Annenstraße, die Kürassierstraße und die Feldstraße, die später Alexandrinenstraße genannt wurde.
Im Jahre 1802 hat dieser Stadtteil, der ehemals Köllnische oder Köpenicker Vorstadt hieß, zu Ehren der Königin Luise (1776-1810) den Namen Luisenstadt erhalten.
In den Jahren 1841-1846 wurde das Köpenicker Feld aufgeteilt, um es der Bebauung zu erschließen. Bei der Entwässerung des Feldes fanden zahlreiche Arbeitslose (es ist von 5000 die Rede) Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst. Es war die Zeit, als die Arbeiter von revolutionären Gedanken erfüllt waren. Als nun bei den Arbeiten auf dem Felde eine Maschine aufgestellt war, um die Arbeiter vor dem Grundwasser zu schützen, da wurde den dort Beschäftigten von Hetzern vorgeredet, die Maschine solle die Arbeiter entbehrlich machen. Durch solche Reden irregeleitet, zerstörten die Arbeiter die Maschine und mußten nun im Grundwasser tätig sein.
(kein Wort verliert der Autor darüber, daß nach der Maschinenstürmung in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober den Arbeitern mit Entlassung gedroht wurde.
Bei einer Demonstration gegen die Entlassung wurde den Arbeitern am 16. Oktober eine bewaffnete Bürgerwehr entgegengestellt, die das Feuer auf die Unbewaffneten eröffnete. 5 Arbeiter wurden getötet. Als die Toten durch die Stadt getragen wurden- wurde abermals das Feuer eröffnet – es starben zwei weitere Arbeiter. Bei der Niederschlagung des dann folgenden Aufstandes mit Barrikaden in der Köpenicker Straße wurden 2 weitere Arbeiter getötet.)
Nachdem das Köpenicker Feld für die Bebauung freigegeben war, verlängerten sich die in das Feld hineinragenden Straßen, und neue Straßen entstanden. In einem halben Jahrhundert war der Stadtteil fast völlig bebaut und bevölkert.
Von Wichtigkeit für die Gestaltung der Luisenstadt und für die Zeit, in der die Straßen angelegt wurden, war die Stadtmauer, die vom Schlesischem Tor bis zum Halleschen Tor in der heutigen Skalitzer und Gitschiner Straße errichtet war und an der ein Straßenzug, die Kommunikation, entlang führte.
Die Stadtmauer hatte mehrere Tore, von denen das Köpenicker Tor, das sich am Lausitzer Platz befand, das Kottbusser Tor und das Wassertor die bedeutendsten waren. Am längsten haben das Schlesische und das Kottbusser Tor gestanden. Vom Schlesischen bis zum Köpenicker Tor hieß die Strecke Lausitzer Kommunikation, vom Köpenicker bis zum Wassertor die Kottbusser Kommunikation, vom Wassertor bis zum Halleschen Tor die Hallesche Kommunikation, die ihre Fortsetzung in den Kommunikationen bis zum Brandenburger Tor hatte.
Dieser große Straßenzug, der an der Stadtmauer entstanden ist, führt vom Halleschen Tor östlich, zuletzt nordöstlich durch den südlichen Teil der Luisenstadt. Er heißt vom Halleschen bis zum Wassertor Gitschiner Straße und dann Skalitzer Straße, die am Schlesischen Tor endet. Den Straßenzug entlang geht die Hochbahn mit den Bahnhöfen Schlesisches Tor, Oranienstraße, Kottbusser Tor, Prinzenstraße, Hallesches Tor.
In diesem Straßenzuge fuhr die 1850 erbaute Eisenbahn zur Verbindung der damals vorhandenen Bahnhöfe entlang. Sie kam vom Niederschlesisch-Märkischen Bahnhof, ging über die Spree, dann durch die Eisenbahnstraße , über den Lausitzer Platz, die Skalitzer Straße entlang, über das Becken am Wassertor, durch die Gitschiner Straße bis zum Halleschen Tor, von wo sie der Königgrätzer Straße (heute Stresemann- und Ebertstraße) folgte. Weiterhin passierte sie den Platz vor dem Brandenburger Tor und einem Teil der Sommerstraße, lenkte nach dem Spreeübergange in einem großen Bogen über das Terrain des jetzigen Lehrter Bahnhofs in die Invalidenstraße ein, wo sie am Stettiner Bahnhof ihr Ende erreichte.
Nach Eröffnung der Stadtbahn stellte die Verbindungsbahn ihre Fahrten ein.
Um einen Wasserverkehr durch den Süden der Stadt herzustellen und um die Luisenstadt zu entwässern, erfolgte die Anlage des Landwehrgrabens (Landwehrkanals), und zu gleichem Zwecke wurde auch der Luisenstädtische Kanal angelegt, der durch die ebenen und niedrigen Teile der Luisenstadt ging.
Der Landwehrgraben ist 1705 angelegt und wurde zuerst Floßgraben genannt, da er ursprünglich zum Flößen des Holzes bestimmt war. Später wurde er ein Graben für die Zwecke der Verteidigung. Ehe nämlich die Stadtmauer gebaut wurde, warf man an dem Graben eine „Linie" (Wall) mit befestigten Ausgängen auf, die mit Wachen besetzt waren und welche „Landwehren" genannt wurden. Von ihnen hieß der Graben Landwehrgraben. Im Laufe der Zeit haben einzelne Teile verschieden Namen gehabt, z.B. Schafgraben am Halleschen Tor, Mühlengraben an der Potsdamer Brücke.
Im Jahr 1815 wurde der Plan angeregt, den Landwehrgraben zu regulieren und schiffbar zu machen; später wurden auch noch andere Zwecke mit der Regulierung verbunden.
Durch sie sollte das Köpenicker Feld entwässert werden und durch die Schiffbarmachung hoffte man die Industrie zu heben und die Stadt zu verschönern.
Der alte Lauf des Landwehrgrabens ging keineswegs in der geschlossenen und graden Linie des neuen Kanals, sondern bestand aus mehreren verzweigten Gräben, die infolge ihrer niedrigen Ufer das anliegende Land überschwemmten. So zeigen sich auf den Karten von 1780 zwei Gräben vor dem Halleschen Tor neben dem Graben auf dem Belle=Alliance=Platz.
Auch wies er verschieden Abweichungen von dem jetzigen Lauf auf, von denen z.B. ein Graben durch die jetzige Straße Am Karlsbad ging.
Im Jahre 1845 wurde die Umwandlung des alten Landwehrgrabens in den neuen Schiffahrts= und Landwehrkanal begonnen. Besonders wurden 1848 zur Beseitigung der Arbeitsnot viele Arbeiter an dem Kanal beschäftigt. Die Gegend vor dem Halleschen Tor und an der Potsdamer Brücke erfuhr eine vollständige Veränderung: die Uferstraßen am Kanal wurden erhöht, befestigt, gepflastert und mit Bäumen bepflanzt.
Am 2. April 1850 wurde der Kanal mit seinen sämtlichen Brücken dem Verkehr übergeben und die Schiffahrt eröffnet. Der Kanal hat aber nur eine geringe Tiefe, so daß er nur für kleinere Kähne bis 225 Tonen Ladegewicht befahrbar ist.
Da das Wasser im Kanal nur geringe Bewegung hat, so ist es nicht sauber und daher als Trinkwasser oder für Badezwecke nicht verwendbar.
Der Landwehrkanal führt zunächst von der Spree ab nach Süden und wendet sich dann nach Westen. An dieser Stelle zweigt sich nach Südosten der Köllnische Kanal ab, der nach Neukölln (Rixdorf) geht. Über den Kanal führen folgende Brücken:
Wiener, Hobrecht=, Kottbusser, Admiral=, Bärwald=, Waterloo= und Belle= Alliance= Brücke.
Das Köpenicker Viertel ist der langgestreckte Stadtteil, der an der Neuen Jacobstraße beginnt und südlich der Spree liegt.
Seine Grenze im Süden wird etwa von der Annenstraße, dem Engelbecken, der Mariannenstraße, dem Heinrichplatz der Oranienstraße und dem Görlitzer Bahnhof gebildet.
In der ältesten Zeit gab es hier die Mhrika, eine mit Erlen bewachsende Sumpfgegend, die sich am südlichen Spreeufer von Treptow bis zum heutigen Charlottenburg hinzog.
Das Viertel ist ehedem größtenteils das Flußbett der alten Oder gewesen und war daher recht sumpfig. Für die Bebauung mußte es trockengelegt werden, und es waren bedeutende Erdaufschüttungen notwendig.
Die niedrige und ebene Lage des ganzen Bezirks nebst der benachbarten Luisenstadt ist
auch Veranlassung gewesen Kanäle von der Spree aus nach Süden durch das Köpenicker Viertel zu legen. Zu ihnen gehört der Luisenstädtische Kanal, der bei der Schillingsbrücke sich von der Spree abzweigt und durch das Köpenicker Viertel und die Luisenstadt geht. Ferner zieht sich an der östlichen Weichbildgrenze von der Spree der Landwehrkanal nach Süden entlang, und mit ihm läuft anfangs von der Spree aus ein zweiter Kanal, die obere Freiarche parallel.
Das Köpenicker Viertel hat seinen Namen nach der Köpenicker Straße, die nach Durchlaufen des Viertels über Treptow nach Köpenick geht.
Diese Straße beginnt an der Neuen Jacobstraße an dem Schulze-Delitzsch-Platz, geht über den Treffpunkt der Brücken- und Neanderstraße (heute Heinrich Heine Str.), überschreitet die Michaelkirchstraße und erreicht dann, nachdem von ihr die Adalbertstraße nach Süden abgegangen ist, die Köpenicker Brücke, die über den Luisenstädtischen Kanal führt.
Die Heerstraße nach Köpenick führte zuerst über Rixdorf. Im Jahre 1589 wurde aber ein anderer Weg nach Köpenick gewählt, nämlich die heutige Köpenicker Straße, die damals verbreitert und mit Bäumen bepflanzt wurde. Sie führte in den einzelnen Teilen verschiedene Namen. Im 16. Jahrhundert lag an dieser Straße schon der Köllnische Holzmarkt. Unter dem Kurfürsten Friedrich III.(König Friedrich I.) entstanden hier mehrere Häuser und Gärten. Zu ihnen gehörte Köpenicker Straße 167/168, ein Lusthaus mit Garten, genannt der Luisenhof, und das Berliner Sanssouci, der Sommersitz der Gotzkowskys.
Anfang des 19. Jahrhunderts war die Köpenicker Straße bis zur heutigen Michaelkirchstraße bebaut; dann folgten vereinzelt einige Häuser, unter denen sich verschieden königliche Magazine durch ihre Größe auszeichneten. Zwischen ihnen lag das Familienhaus, eine ehemalige Kaserne, welche der König bestimmt hatte, um armen Familien von Handwerkern, besonders Zeugwebern, ein billiges Obdach zu geben.
Die Weber wohnten für einen billigen Mietzins; Stube und Kammer kosteten jährlich je nach der Lage 6,10 oder 12 Taler. Die Mieten sollten nur dazu dienen, die Reparaturkosten des Hauses zu decken (Streckfuß, Fünfhundert Jahre Berliner Geschichte, 1886).
Über die Köpenicker Brücke setzt sich die Köpenicker Straße weiter nach Ostsüd fort. Von ihr gehen nach links die Brommystraße und die Pfuelstraße ab, und sie endet am Schlesischem Tor, das noch im Siebenjährigen Kriege durch Palisaden geschützt war.
An dem Tor, über das die Skalitzer Straße führt, liegt ein Bahnhof der Hochbahn.
Am der Ecke der Köpenicker und der Brommystraße liegt an der westlichen Seite die Militär=Bäckerei, an der östlichen die Pionier=Kaserne, und letzterer gegenüber die Militär=Telegraphen=Schule, die vor dem Weltkriege nach Treptow verlegt worden ist.
Köpenicker Straße 62-64, (In der Literatur steht 62-64; es muß aber wohl 12 - 14 heißen. Eine Umnummerierung der Straße ist nicht bekannt - der Webmaster) eine der ältesten Berliner Kasernen, ist ein altersgrauer, nüchterner Bau, der schon vor dem letzten Kriege zum Abbruch bestimmt war. In der Revolutionszeit 1918 ist in ihr vieles zerstört und manches entwendet worden. Jetzt ist in ihr die Abteilung Friedrichshain der Schutzpolizei untergebracht. Den Hof schmückt ein Denkmal, das zur Hundertjahrfeier des Bataillons errichtet worden ist.
Bei der Kaserne liegt die Pfuelsche Badeanstalt, die vom Militär benutzt und von Schulklassen besucht werden kann. Eine kleine Gedenktafel erinnert an ihren Begründer Pfuel.